Autorin auf Fähre vor Kap Dukato (Lefkas/Griechenland)

 

Greta

Godberg

 

 

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Große Moschee in Lahore/Pakistan 1967

-- Tagebuchauszüge --

Unterwegs/Irak

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Indien 1982

Indische Miniaturen

Foto-Galerie Indien

Iran 1979

Iran 2006

 

R e i s e n

- Von Casablanca bis Kyoto -

 

 

UNTERWEGS

Köln bis Kyoto und zurück (Dez.1966 - Dez.1968)

(Eine Reise auf dem Landweg und von Bombay aus mit einem französischen Linienschiff)

 

PAKISTAN

(Auswahl)

Route, nach misslungenem Trampversuch (wir wollten´s noch mal wissen!) mit Zügen, nachts im "Sleeper": Quetta, Shikarpur, Sukkur, Multan, Lahore.

12.2.1967 Quetta: Einladung zum Dinner bei einem hohen Offizier der pakistanischen Armee zusammen mit zwei Kollegenfreunden und einem Major. Die am Nachmittag geschwungenen großen Reden über die pakistanische Gastfreundschaft entpuppten sich als Lug und Trug. Nach 2 Stunden im "frauenlosen" Haus des Majors bei loderndem Kaminfeuer, bei gezieltem (doch fehlgeschlagenem) Versuch moralischer Aufweichung unsererseits durch Whisky und Rum (wobei die lieben Gastgeber als Moslems natürlich nichts tranken und wir Drei uns maßvoll zurückhielten), nach heißer politischer und gesellschaftskritischer Diskussion, die Lage der Frauen inbegriffen (rosig, rosig, sie sperren die Frauen doch nicht ein, es ist deren eigener Wunsch), brachen wir zum Restaurant auf. Zu unserer Verwunderung wurden wir jedoch nach kurzer Stadtrundfahrt freundlichst vor unserem Hotel abgesetzt. Das Abendprogramm - Dinner und Militärclub - war gestrichen worden. Es lohnte sich wohl nicht!! - Am Nachmittag, während der Verabredung mit dem Offizier vor der Snackbar, kam eine unverschleierte Frau auf uns zu: hochgewachsen, offenes Gesicht, blaue Augen, rote Lippen, rotgefärbte Zähne vom Bethelkauen, starke männliche Ausstrahlung (eine Lesbierin, ein Transvestit, ein Zwitter? Ein weiblicher Wandermönch, sie trug ein Wanderbündel in der Hand?). Ihr Erscheinen, ihre plötzliche Anwesenheit und ihr Davongehen nach 3maligem Begrüßungsritus per Handschlag und Kussversuch auf die Wange, gefolgt von einem Schwall unverständlicher Worte, war verwirrend, rätselhaft. Wer war SIE in dieser "Burka-Welt"? Wir staunten: Die Leichtigkeit, die Würde, die Gelöstheit, die Kraft, das Ruhen in sich selbst! Wir sahen ihr nach, als sie davonging mit festem Schritt und stolzer Haltung. Der Offizier gab vor, sie nicht zu kennen, erklärte sie zur Geisteskranken - was sie ja vielleicht auch war. Aber so selbstbewusst, so gelöst, so lächelnd? Heilig? Oder in Trance? High? Wer auch immer sie war - sie hatte uns tief angerührt. – Anders dagegen die Burka-Frauen, von uns respektlos GASMASKEN genannt. Unglaublich, diese Totalverschleierung, der Tschador lässt doch wenigstens das Gesicht frei. Die "Gasmasken" machen uns zutiefst wütend und die Aggression bei ihrem Anblick richtet sich - völlig ungerechtfertigt – gegen die Frauen selbst. Missbilligende Blicke in Richtung des Gesichtsquadrats, dahin, wo hinter dem locker gewebten Stoff, die Augen erahnbar sind. Einige Male konnte Wilfried, der noch wütender reagiert als wir (mit seinen 19 Jahren und ohne jegliche Orienterfahrung) es sich nicht verkneifen, die Frauen im Vorübergehen mit plötzlich hervorgestoßenem "Buh" zu erschrecken. Und ich muss gestehen, wir taten nichts, ihn davon anzuhalten. Es ist deprimierend.

15.2.1967 Von Multan nach Lahore: Im Expresszug kamen wir mitten hinein in eine vom Fest zurückkehrende Hochzeitsgesellschaft, Braut und Bräutigam - natürlich in getrennten Abteilen - inbegriffen. Der Bräutigam, müde, mit dunklen Ringen unter den Augen (vom mehrtägigen Feiern zusammen mit den männlichen Festgästen, soweit ich weiß, wird nach Geschlechtern getrennt gefeiert und vermutlich war die Ehe noch nicht vollzogen), zeigte mir stolz das Geschenk seiner Frau, die neue Uhr am Arm und den Ehering, den er etwas verschämt aus der Tasche zog. Im Gegensatz zu den übrigen festlich gekleideten Familienmitgliedern trug er bereits einen normalen Anzug. Seine junge Frau, noch in Hochzeitsgala - schön, scheu, errötend, als sie mir von einigen Festgästen im Frauenabteil vorgestellt wurde - hatte studiert und einen Abschluss in "literature and arts". Einen Beruf ausüben, als Lehrerin etwa, dürfe sie als verheiratete Frau laut Familienbeschluss nicht. Ich blieb eine Zeitlang im "Haremsabteil", alle Frauen hatten den Schleier abgelegt. Eine recht muntere, alte Tante bereitete sich eine Bethelration - ein Ritual - mit allen einschlägigen Zutaten, aufbewahrt in einem Blechkästchen, die Tinkturen und Gewürze fein säuberlich geordnet, das Löffelchen zum Auftragen an seinem Platz. Es war gemütlich hier – und traurig.

17.2.1967 Lahore: Charakteristika beim Sightseeing während langer Busfahrten im Oberstock: Burka-Frauen, hier häufig "aufgehellt", in weißem besticktem Körperschleier, die meisten jedoch (leider) zerknautscht und schmutzig. Ansonsten hübsche Frauen in pakistanischen Gewändern: weite lange Hosen, bunte Kleider, an den Seiten geschlitzt, hauchzarter Schleier, das Gesicht frei. Insgesamt farbenfroh. Diener mit Federhäubchen, hingelagerte Gestalten, Lumpenbündel ohne Anfang und Ende auf Grünanlagen, vor Moscheen am Straßenrand, hockende Männer mit Shischa - Wasserpfeife, Männer, die einherwandeln und die Schischa bei sich tragen, Rikschas, Tangas, doppelstöckige Busse, und vor allen Dingen: BULLEN! Riesige, urtierhafte, kräftig ausladende, dunkelgraue Bullen mit gepolstertem Nacken, große, feuchte, witternde Nüstern, vor den Karren gespannt, den Zügel durch die Nase gezogen, zu zweit im Joch, einen völlig überladenen Wagen ziehend, mit Gemüse, Gras ... stimmungsvolle Freilichtställe am Morgen vor Auszug der Herde, am Abend nach der Rückkehr.

Jugendherberge. Früh aufgewacht. Es regnet. Der Muezin singt, weich und melodisch. Wilfried und Raoul schlafen noch. Geborgenheit im großen Raum zu dritt. Einhüllen in den Schlafsack. Denken an Europa, an Zuhause. Wie häufig sich auf dieser Reise die Gedanken heimwärts lenken. - Wilfried am Morgen in Richtung Indien. Gewaschen. Shalimar Garden: verblichene Moghulpracht. Neuzeitidee: Terrasse mit Springbrunnen, ganz hübsch. Tropische Baumpracht mit vielstimmigem Vogelgezwitscher und Rabengekrächs. In einem der Bäume saß ein Geierpaar.

Shalimar Garden

Ich kann nicht mehr
ruhelos bei den Hecken stehen
da Geier den Platz
der glattgewalzt ist
entrümpelt vom Schutt zerbröckelnder Hütten
umfliegen. Unter dem Schutz
meiner Flügel seh ich
die Frauen
aus dem Gemäuer treten:

Quer über den Platz

schleift ihr Gewand

den schlechten Geruch.

Der Kreisel des Winds wird sie töten!
Über den TÜRMEN DES SCHWEIGENS
zerfetzt er das brüchige Fleisch.

Lahore, 18.2.1967

Selbstvergessen nach langer Busrundfahrt durch Lahore stiegen wir am Busbahnhof aus. Ein kleiner Junge in Schuluniform lief hinter uns her und überreichte uns unser im Bus stehengelassenes Kuchenpaket. Er wollte nichts haben, nicht einmal ein Kuchenstück!

Quetta/West-Pakistan: 'Burka'-Frauen - 1967

 

Quetta/West-Pakistan: Scooter-Werkstatt - 1967 Quetta/West-Pakistan: 'Burka-Frauen' - 1967

(Unterwegs/Indien) >>

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