Autorin auf Fähre vor Kap Dukato (Lefkas/Griechenland)

 

Greta

Godberg

 

 

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Vor dem Sheikh-Safi-Mausoleum in Ardebil/Nordwest-Iran - Sept_2006

-- Tagebuchauszüge --

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R e i s e n

- Von Casablanca bis Kyoto -

 

 

I r a n    2006

Drei Monate Reise mit dem Kleincamper zum und durch den Iran

(Zurückgelegte Kilometer: 16500)

 

SMS kurz vor der türkisch-persischen Grenze am 12. September 2006:

Hallo, Ihr Lieben in Deutschland! Nach 5 Tagen Fahrt durch die Türkei und 2 Ruhetagen in Kappadokien nähern wir uns nun der iranischen Grenze bei Bazargan. Greta bindet schon das Kopftuch. Grüße aus OstAnatolien,
Eure Greta und Rüdiger

 

 
  Rundbrief   I

Shiraz, 7.Oktober 2006

Liebe Freunde,
schon fällt es mir (R.) schwer, euch nicht auf Persisch zu begrüßen: SALAM, Hale shoma hube? (Grüß Gott, wie geht's!)

Inzwischen sind wir in Shiraz bei der Mutter unserer persischen Freundin Massi eingetroffen und mit umwerfender Gastfreundschaft aufgenommen worden. Hier spricht kaum einer eine europäische Sprache, so dass sich unsere FARSI-Kenntnisse zwangsweise verbessern müssen. Highlight nach der von schwerem Durchfall etwas versäuerten Woche in Teheran war eine Woche in ISFAHAN, dieser wunderbaren Stadt, nach einem persischen Sprichwort auch "Hälfte der Welt" genannt. Wir wohnten in einem Apart-Hotel (Schlafzimmer und Wohnzimmer mit integrierter Küche) 30m vom Hauptplatz der Stadt mit Moscheen, Palast und Eingang zum Bazar entfernt. Da wir uns seit 2 Wochen im Fastenmonat befinden, blieb mittags nur das Super Hotel ABBASI mit seinem Paradiesgarten, einer ehem. Karawanserai für einen Imbiss zwischen den Sights. Wir haben uns für diese Stadt, die wir seit mehr als 30 Jahren kennen und sehr lieben, viel Zeit genommen.

Inzwischen graut es mir nur noch vor dem völlig chaotischen Verkehr in Teheran, den sich niemand vorstellen kann, es sei denn, er hätte ihn selbst erlebt. Heute haben wir übrigens unser Visum – mit Freundeshilfe nur 3 Stunden! – um 36 Tage verlängert: So lange wollen wir eigentlich gar nicht bleiben, allein schon aus Bargeldmangel, denn mit Reisechecks oder Kreditkarten kann man ja hier wegen der schlechten Beziehungen zur USA nichts anfangen. Aber nur Allah weiß es!

Shiraz, 9.Oktober 2006

Sobh-e-cheir, dust-e-ma - Guten Morgen, Freunde! Wie ihr am Datum sehen könnt, befinden wir uns immer noch in Shiraz. Unsere Gastfamilie lässt uns einfach nicht gehen. Wir wollten morgen weiterreisen, aber dem steht eine Einladung von einem weiter entfernten Familienmitglied entgegen. Und übermorgen – nein, da hat Ali, der älteste Sohn der Familie Geburtstag, ihr könnt doch unmöglich ... zumal euer Visum um 36 Tage verlängert ist, ihr habt doch noch soviel Zeit. So einfach ist das!

Und einfach ist auch mit wenigen Einschränkungen das Reisen im Land. Alle unsere Bedenken vor der Reise sind hier ins Nichts zerflossen. Wir sind - oder sind es längst nicht mehr – überrascht, mit welcher Selbstverständlichkeit wir uns hier mit unserem Camper bewegen und zu Hause fühlen. Die Freundlichkeit der Menschen kommt uns dabei natürlich sehr entgegen. Wir sind HIER, basta, und das Gefühl ist umwerfend.

Mit der Kleiderordnung komme ich gut zurecht. Zwar tragen doch noch sehr viele Frauen den Tchador oder kleiden sich in schwarze Gewänder, die jungen Frauen zum Teil in eng taillierte halblange Mäntel, im Gegensatz dazu sind sie sehr gekonnt und auffällig geschminkt. Aber man lässt auch farbfreudigere Kleidung gelten. Meine Blusen mit langen Ärmeln habe ich bisher kaum getragen, nur T-Shirts mit halblangem Arm, eine Weste dazu und das obligatorische Kopftuch. Inzwischen bin ich so daran gewöhnt, dass ich selbst bei sommerlichen Temperaturen nicht mehr den Impuls habe, es mir herunterzureißen.

Zur Gesamtsituation im Lande etwas zu sagen, wäre voreilig. Was uns als erstes ins Auge sprang, ist das ständige Unterwegssein der Massen, die große Freizeitwanderung. Die Iraner sind immer schon gern zum Picknick ins Grüne gefahren, vor allem zu Nouruz, dem persischen Neujahrsfest. Aber was wir jetzt hier vorfanden, übertraf alle unsere Vorstellungen. In der (Rest)Ferienzeit campierten in den Parkanlagen der Städte, ja, sogar auf den Bürgersteigen Völkerscharen, gingen raschen Schritts oder joggten am Morgen - so erlebt in Täbris – zu fetziger Musik um den großen Teich, die Frauen z.T. im Tchador (für alle 1 Toilette!). An den Wochenenden zieht ein Völkerstrom in die Teheraner Berge, überflutet die schmalen Wege der Darband-Schlucht. Zum Freitagsgebet der großen Moschee in Isfahan strömen Heerscharen herbei, von rechts über den Platz kommend die Männer (auf zig Motorrädern), von links die Frauen in Schwarz. Unser Eindruck: ein überwiegend junges Volk (70%) in Bewegung – aber wohin? Das müssen wir noch ergründen.

Das wars fürs erste. Wir grüßen Euch ganz herzlich, Khoda-Hafis, Gorban-e-shoma, Dast-e-shoma dard nakon! – Auf Wiedersehn, danke (hier: fürs Lesen), mögen Eure Hände niemals schmerzen!
Greta und Rüdiger

 

 
  Rundbrief   II

Göreme/Türkei, 17.11.06

An alle, die mit Anteilnahme unsere Reise verfolgt haben, hier unser 2. Bericht!

Liebe Freunde,
nun haben wir 9 Wochen IRAN "bestanden" und sind schon - durch das leicht verschneite Ost-Anatolien - wieder in "Voreuropa" angekommen: Etwas IRAN-müde und das nicht nur vom täglichen Kampf mit den üblichen Tücken des Reisens in fremden Landen. "Gibt es denn hier mal irgendetwas, das komplikationslos  oder ohne unvorhersehbare Überraschungen zu machen ist??", war ein geflügeltes Wort tagtäglich. - Da wir noch weit entfernt davon sind, aus der Flut der Erfahrungen einen Gesamteindruck zu "verfassen", hier als kleiner Ersatz der Jubelausbruch von R. nach einem kurzen Alleinrundgang durch die türkische Grenzstadt Dogubayazit: "Stell dir vor, DIE (gemeint die türkischen Autofahrer) halten sich an Fahrstreifen und rote Ampeln, und man kann die Straße wieder - ohne sich als gejagter Hase zu fühlen - überqueren. Und weißt du, mir sind wieder lachend-lächelnde Gesichter und Frauen mit wehenden Haaren begegnet."

IRAN hat sich geändert,
gegenüber unseren "Träumen" zum Nachteil:
Die Bevölkerungsexplosion nach dem Irak-Krieg hat aus Dörfchen Städte, aus der 3Mill.-Stadt Teheran einen 15Mill.-Moloch, aus einst leeren Wüstenebenen bestellte Felder mit kleinen Dörfern, aus ehemals einsamen Sights Siedlungs-(sogar Hochhaus-) umstellte, laute Orte gemacht (z.B. das berühmte Grab von Kyros, d.Gr. oder die Türme des Schweigens bei Yazd).
So mussten wir uns schon in die große Salzwüste Dascht-e-Lut begeben, um einsame Straßen und Sternenhimmel-Übernachtungsplätze zu finden.
Die Disziplin/Rücksichtslosigkeit und Chaotik im Verkehr (mit Mill. von alten Schrott-Peykans und neuen Peugeots - beide im Land produziert) findet man heute nicht nur in Teheran, sondern fast überall. So danken wir Gott, dass wir dieses Land ohne Unfall überstanden haben!
Die Mullahkratie hat bewirkt, dass Straßen, Plätze, Bazare SCHWARZ von Frauen sind, immer wieder aber - in den letzten Jahren - unterbrochen von Kopftuchschönen mit viel hervorbrechendem Haar und überperfekter Gesichtskosmetik (bis hin zu Madonna-Lippen!) - die kleine Freiheit!!
Es gibt keine weiblichen Popstars (selbst das öffentliche Hören - Auto - von arab./türk./auslandsiran. Sängerinnen kann zu schweren "Konflikten" führen) und keine Rad/Moped-fahrenden Frauen: absolut verboten. Klar! Gab's ja zu Mohammeds Zeiten noch nicht!

gegenüber unseren "Vorurteilen" zum Vorteil:
Die Tatsache, dass 70% der Bevölkerung unter 25 sind und die (schon unter dem Schah begonnene) Alphabetisierung durchgreifend Erfolg hatte, bewirkt - unter anderem - dass man auf viel neugierige und offene Jugend trifft. Wenn man wollte, könnte man sich von Tag zu Tag in anderen Familien aufhalten und bewirten lassen.
Wir haben ganz wenige Erlebnisse gehabt, die man mit religiösem Fundamentalismus in Verbindung bringen könnte. Selbst bei einer Trauerprozession (Imam Alis Tod) mit den bekannten Selbstgeißelungen (die wir sogar zu Schahs Zeiten nur ganz vorsichtig fotografiert hatten) wurde ich (R.) vom "Dirigenten" eigenhändig mitten ins Gewühl gezogen und zum Filmen aufgefordert. - Dagegen ist uns viel echte oder ritualisierte Religiosität begegnet, z.B. das kurze Zurückziehen des jungen Familienvaters zum Gebet vor dem Auftragen des Abendessens in Kerman ODER der Massenansturm von Männern und Frauen zum Freitagsgebet - am Anfang des Fastenmonats - auf die (Ex-Schah)Imam-Moschee in Isfahan. Viele Widersprüche gehen mir durch den Kopf, aber nun überlasse ich Greta das Feld ...

Fliegender Wechsel von R´s VOR-Analyse zum Mini-Reisebericht
Wie Ihr merkt, bemühen wir uns immer noch, das sperrige iranische Puzzle zusammenzufügen. Nach 7 Wochen waren wir so voll von Eindrücken, von der Auseinandersetzung mit dem Land, seinen Menschen und ihrer Lebensart (insbes. der Frauen), auch in der schon so lange währenden politischen Situation, dass wir glaubten, nichts mehr aufnehmen zu können. So haben wir uns in den letzten 2 Wochen in und auf uns selbst zurückgezogen und nur noch das "Reisen an sich" genossen: Unseren Wüstentrip, die vielfältigen Formen und Farben der Wüste, Dünengürtel, Gebirgsketten und bizarr aufragende Felsen, rostrot, grün, kohle- (oder von Marmoreinschlüssen) elfenbeinfarben, die Schönheiten in der Ödnis; dazu die Weite der (meist trockengefallenen) Salzseen, Ockerfelder, rissig, weiss überpudert, mit Inseln dunkler Erde darin; eine Nacht in einer Oase, den Geruch der Kamele in der Nase und das Glockengebimmel im Ohr wie ein Wiegenlied; oder eine Nacht allein unterm Sternenhimmel, am Fuße einer aufragenden Düne, um 2 Uhr nachts noch einmal die Autotür geöffnet und die Stille und die milde Luft eingeatmet.
Zum Schluss noch einmal TEHERAN mit dem die Stadt überragenden Elburs-Gebirge, das sich Tag für Tag mehr mit Schnee bedeckte; das nostalgische Herumstromern in unserem  - immer noch recht abgelegen und verträumt wirkenden - ehemaligen Wohnviertel: unser Haus existiert nicht mehr, aber der - sehr fromme - Besitzer eines neuerbauten Hauses gab mir zum Abschied zwar nicht die Hand (da er als verheirateter Mann fremde Frauen aus religiösen Gründen nicht berühren darf), doch er gab uns - wie zum Ausgleich - eine große Tüte mit Kaki-Früchten von "unserem", in seinem Garten stehengebliebenen Baum.

Ich könnte noch viel mehr berichten, lasse aber Weiteres für das Wiedersehen. Sicher wird uns nach so viel Weite und Unterwegssein - nach der ersten Wiedersehensfreude mit Euch und unseren Lieben - der Eingesperrtsein-Katzenjammer überfallen. Wir werden wohl noch 2 Wochen brauchen, um über Griechenland und Italien nach Hause zu kommen. (Die Fähre von Cesme/Türkei nach Ancona hat "Winterferien".) Zum 1. Advent, spätestens zu Nikolaus, wollen wir wieder vor Ort sein.
Bis dahin grüßen Euch aus der Wunderlandschaft Kappadokiens, herzlich Eure
Greta und Rüdiger

P.S. Übrigens kann man sich im Iran, falls man nicht das seltene Pech hat, politisch anzuecken, so sicher wie in Abrahams Schoß fühlen. Beim Picknick oder Verweilen am Straßenrand bleibt man völlig ungestört. Kein einziges Kind kam jemals angerannt und bettelte um "cigarette" oder "bombom". Nur sehr vorsichtig und rücksichtsvoll umwanderten auf öffentlichen Plätzen einige Neugierige unser Auto und bestaunten es und seine Insassen dazu, einleuchtend im Zeitalter der Flugreisen und des Mangels an fremden Autos oder gar Wohnmobilen im Iran, bisher jedenfalls!

Fotos in Vorbereitung!

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